No risk, no fun – Reiten ist gefährlich

Posted By Keks on 20. Oktober 2011

Der Grund, warum ich so spät mit dem Reiten angefangen habe, war, dass meine Eltern diesen Sport immer als zu gefährlich eingestuft haben. Ich musste jahrelang betteln, bis sie mir und meiner Schwester endlich erlaubt haben, in den Reiturlaub zu fahren. Mit 12 Jahren war ich da quasi ein Späteinsteiger. Dass ich nun mit meinem eigenen Pferd durch die Gegend gurke, haben sie sich damals bestimmt nicht vorgestellt, aber mittlerweile dürften sie an den Gedanken gewöhnt sein und ruhiger schlafen ;-) .

So ganz unrecht hatten sie allerdings nicht. Reiten birgt immer ein Risiko. Denn man hat es in dem Sport nun mal mit einem Tier zu tun. Und das ist nicht nur 400-700 Kg schwer, sondern wird immer auch unberechenbar sein, so gut man es auch zu kennen glaubt. Keine Ahnung, wie oft ich schon runtergefallen bin. Es tat mal mehr und mal weniger weh und bis auf ein paar Schrammen und Prellungen ist auch nie etwas Schlimmeres passiert. Und Virginia hat mich zum Glück auch erst einmal abgesetzt.

So richtig bewusst wurde mir das Risiko erst letztens wieder, als eine Freundin von ihrem Pferd gefallen ist. Mit dem Kopf zuerst auf dem Boden. Auf Beton. Trotz Kappe, blieb der Sturz nicht ohne Folgen. In den ersten Minuten war sie noch ganz klar und ansprechbar, aber dann setzte der Gedächtnisverlust ein. Alle 2 Minuten. Kein Scherz, wie in diesem Hollywood-Film “50 erste Dates“. Alle 2 Minuten hat sie die gleichen Fragen gestellt und war immer wieder auf’s neue erstaunt/geschockt über das was “angeblich” passiert war. Am Ende gab’s einen Zettel mit allen Antworten drauf, die sie sich dann immer durchlesen durfte. Wie gesagt, kein Witz. An den kompletten Tag kann sie sich bis heut nicht errinnern.

In dem Zusammenhang haben wir seitdem nicht nur darüber gesprochen, wie lebensrettend so ein Kappe wirklich ist, sondern auch darüber, was passieren würde, wenn wir bei sowas doch mal hops gehen. Die meisten von uns haben noch keine Kinder, deswegen galten die Gedanken unseren nächst näheren Schutzbefohlenen: unseren Pferden. Was soll aus den Tieren werden, wenn ihre Besitzer das zeitliche vor ihnen gesegnet haben. Ich bin ja jetzt schon extrem kritisch, was den Umgang anderer Leute mit meinem Pferd betrifft (deshlab gibt’s auch keine Reitbeteiligung). Fest steht, dass ich Virginia meiner Schwester überlassen würde. Im vollsten Vertrauen, aber auch mit dem Wissen, dass so ein Pferd enorm teuer ist. Und die Last, würde ich ihr (neben der zeitlichen) nicht aufbürden wollen. Deshalb hab ich ernsthaft schon über eine Risikolebensversicherung nachgedacht. Klingt im ersten Moment albern. Aber ich kann den Gedanken nicht ertragen, dass Virginia an irgendwelche Fremde verkauft werden müsste oder dass meine Schwester soviel Geld für ein Pferd aufbringen müsste, für das sie sich nie entschieden hat. Und mal ehrlich, welcher Pferdebesitzer kann nebenbei noch soviel sparen, dass es für die laufenden Kosten über Jahre hinweg reichen würde. Wir sind doch alle chronisch blank (aber glücklich ;-) ). Ich ziehe so eine Versicherung tatsächlich in Betracht. Muss mich aber erst noch richtig informieren. Aktuell laufen sowieso mehr Versicherung für’s Pferd als für mich, warum also nicht noch eine dazu. Und solang keine eigenen Kinder um mich rum schwirren, kann das Geld ruhig alles für’s Pony draufgehen :-P .

Comments

3 Responses to “No risk, no fun – Reiten ist gefährlich”

  1. Christian sagt:

    Risikolebensversicherungen kosten nicht soviel Geld. Ich habe mal eine Rechnung aufgemacht: Um ein Pferd abzusichern würde ich 4000 Euro pro Jahr ansetzen? Und dann gehe ich davon aus, ein Pferd ungefähr 27 Jahre alt wird.
    Also Restlebenszeit mal 4000 Euro. Da kommt man auf vielleicht 80.000 Euro Versicherungssumme. Das sollte bezahlbar sein.

    Wichtig finde ich noch eine Unfallversicherung.

    Und: Wir reiten auch ohne Helm. Und meiner Frau und mir ist klar, dass wir den anderen im Falle des Falles dann auch pflegen müssten.

    Der letzte Sturz war erst am letzten Wochenende. Auch auf den Kopf und mit anschliessender Übernachtung im Krankenhaus. Erinnerungslücken wie bei deiner Freundin gab es aber nicht.

    Gruß
    Christian

  2. Keks sagt:

    Oh, Christian, danke, dass du mich nicht auslachst für den Gedanken. Ja, 4000 Euro würde ich auch pro Jahr ansetzen. Eine OP-Versicherung habe ich ja für Virginia, so dass größere Kosten zumindest teilweise abgedeckt sind.

    Hmm, Unfallversicherung wär auch noch wichtig. Ich reite auch erst wieder seit kurzem mit Kappe. Und das auch etwas geschummelt, nur im Gelände (auf dem Platz gibt’s kein Beton oder Bäume ;-) jaja, Milchmädchenrechnung ). Nach eurem Sturz reitet ihr trotzdem weiter ohne? Ich glaub ich wär zu geschockt dafür. Hoffe, es ist wieder alles okay?!

    Na dann nehme ich mir in den kalten Tagen mal die Zeit, das komplette Absicherungsprogramm zu checken.

    Lieben Gruß zurück.

  3. Christian sagt:

    Nein, aufgrund einiger Ereignisse in diesem Jahr, nehme ich die Vorsorgesache noch wesentlich ernster.
    Bei uns greift das Problem natürlich erst, wenn wir gleichzeitig oder kurz hintereinander ums Leben kommen. Wir sind gegenseitig abgesichert, so dass beide alleine finanziell abgesichert wären und sich der Übriggebliebene natürlich um die Pferde kümmern kann.

    Für den schlimmsten Fall habe ich dann schon eine Freundin gefragt, ob sie sich kümmern würde, dass die Pferde in gute Hände kommen. Wie sie das regelt würde ich dann weitgehend ihr überlassen.

    Ich müsste aber mal meine Wünsche dorthingehen formulieren. Am besten mit einem Blogbeitrag?

    Ja, wir reiten immer noch ohne. Es war halt ein echt dummes Zusammentreffen unglücklicher Zustände.
    Und: eine Freundin von uns ist einmal ohne Helm gestürzt und bekam dann vom Arzt gesagt: “gut dass sie keinen Helm aufhatten, sonst wäre das Genick durchgewesen.”
    Sicherlich auch eher selten aber auch das gibt es.

    Gruß
    Christian

Leave a Reply