Bauch oder Kopf – Pferdekauf

Posted By Keks on 9. Februar 2010

Der Wunsch nach einem eigen Pferd spukt mir schon ewig im Kopf rum, aber ich war in den letzten zehn Jahren immer sehr zufrieden mit meinen Reitbeteiligungen und hab erstmal gar nicht nach einem eigenen Pferd gesucht. Trotzdem stand ich schon zweimal sehr knapp vorm Kauf eines Pferdes (die mir beide Male so “über’n Weg gelaufen” sind) . Es hat offensichtlich noch nicht geklappt, aber von dem, was man beachten sollte und was man so falsch machen kann, will ich mal berichten:

Zuerstmal zu den zwei Fast-Käufen:

Pferd 1

dieses Pferd hätte ich am liebsten gekauft

dieses Pferd hätte ich am liebsten gekauft

Ein hübscher Edelblut-Haflingerwallach (mit Papieren), 4 Jahre, Stockmaß so 1,44 m, eingeritten und weitergeritten auf einen Kinderferienhof (also keine klassische Grundausbildung, aber dafür viel Gelände und wechselnde Reiter). So toll fand ich ihn deswegen, weil ich mit ihm an der Spitze einer Gruppe von Ferienkindern durch’s Gelände galoppieren konnte, egal welches Pferd hinter ihm rumgesponnen hat oder ob irgendwo ein Trecker langfuhr… und mit welchem Vierjährigen konnte man sowas schon machen. Außerdem hatte er traumhafte Gänge und ich konnte ihn über mehrere Wochen verteilt in vielen Situationen reiten. Ich wollte ihn unbedingt haben und habe die Besitzerin über ein Jahr mit meinem Kaufwunsch bearbeitet. Erfolglos. (Ramona, falls du grad mitliest, ich würde ihn immernoch nehmen! ;-) ). Naja, also hab ich mich von dem Gedanken verabschiedet (sowas geht bei mir nicht so schnell ;-) ) und war weiter glücklich mit meiner Reitbeteiligung auf dem Pony.

Die Fehler bei diesem Pferdekauf wären gewesen: keine AKU, zu klein, zu jung, nicht genug ausgebildet, ich hätte zuviel für ihn bezahlt, Probereiten (zweite Meinung) durch meine Reitlehrerin hätte ich weggelassen – es hätte nichts an meinem Kaufwunsch geändert.

Pferd 2:

Zweiter Ansatz zum Pferdekauf

Zweiter Ansatz zum Pferdekauf

Eine wunderschöne 5 Jährige Warmblut-Mix-Stute, Stockmaß 1,53 m, angeritten (laut Anzeige mit guter Grundausbildung), diesmal mit AKU. Ich hab sie im Internet entdeckt (beim nur-mal-gucken, natürlich!) und bin dann am nächsten Wochenende gleich mal zum Probereiten gefahren (quer durch Deutschland, nur-mal-gucken)… Sie hat mir gut gefallen, war recht ausgeglichen, aber fast nicht geritten bzw. noch völlig unausbalanciert und schon ziemlich flott unterwegs, aber das ist bei einem so jungen Pferd ja nichts ungewöhliches. Ich wollte Zeit zum Nachdenken, ob ich mir die Ausbildung eines jungen Pferdes zutraue und genug Zeit dafür hätte… Ergebnis: Ich traue es mir zu (mit Unterstützung meiner Trainerin), das mit der Zeit hätte eine ordentliche Planung gebraucht, wär aber machbar gewesen… Tja, aber die Stute war bereits verkauft (Klar, dass ein Züchter ein “Ja” einem “Vielleicht”  vorzieht).

Fehler bei diesem Pferdekauf wären gewesen: zu jung (na klar, irgendein Muster muss es ja geben), kein Proberitt im Gelände, Untersuchung einer alten Verletzung wär wahrscheinlich weggefallen.

Was man beim Pferdekauf beachten sollte

Auch wenn ich immernoch kein Pferd gekauft habe, sind das die Punkte, die ich beachten will (ich nehme es mir wirklich fest vor!):

- vorher definieren, was ich möchte und schauen, dass das Pferd auch wirklich passt (Größe, Alter, Ausbildungsstand, Preis). Natürlich darf das Raster nicht zu klein sein, aber ungefähr sollte es schon feststehen, was man mit dem Pferd vor hat (Zucht, Turniere, Freizeit etc.) und ob es zum einem passen könnte (von den Proportionen, Ambitionen und Können)

- einen Berater zum Probereiten mitnehmen, der einen auf den Boden zurückholt, falls man völlig hin und weg ist (möglichst jemand, der sich gut mit der Pferdebeurteilung auskennt und einen auch gut kennt)

- soviel wie möglich von dem Besitzer und anderen Reitern auf dem Hof über das Pferd herauskriegen (bei einem längeren Gespäch erkennt man Wiedersprüche; ein gutes Zeichen ist es, wenn der Besitzer auch viel über das zukünftige Zuhause seines Pferdes wissen will)

- Vorreiten lassen (genau beobachten, wie mit dem Pferd umgegangen wird und wie Pferd und Reiter auf einander reagieren)

- Probereiten auf dem Platz und im Gelände (ich reite lieber nach dem Vorreiten Probe, weil man allein durch’s Beobachten schon viel vorher mitkriegt und sich dann auf’s Gefühl auf dem Pferd konzentrieren kann. Schön wäre, wenn man an verschiedenen Tagen das Pferd reiten kann, da jedes Pferd natürlich auch unterschiedliche Tagesformen hat. Außerdem den Berater/Reitlehrer auch Probereiten lassen. Vier Augen sehen mehr als zwei und zwei Hintern spüren mehr als einer ;-) )

- Pferd am Boden kennenlernen (man sollte den Besitzer auch bitten, sich auch am Boden mit dem Pferd befassen zu dürfen – Putzen, Spazierengehen, von der Koppel holen… – um den Charakter und Eigenarten des Tieres kennen zu lernen

- AKU (die Ankaufsuntersuchung, ob klein oder groß, sollte nicht fehlen, denn mit Tierarztrechnungen oder sogar einem unreitbaren Pferd wird man nicht glücklich, besonders nicht, wenn ein Tierarzt das vor dem Kauf erkennen hätte können)

- ein Nacht drüber schlafen (auch wenn die ersten Eindrücke extrem wichtig sind, sollte man erstmal alles verdauen und dann entscheiden… die rosarote Brille gibt’s auch beim Pferdekauf und die kann man über Nacht hoffentlich absetzen)

So, das waren meine tollen Tipps zum Pferdekauf. Von denen hätte ich beim meinen “Fast-Käufen” schonmal die Hälfte nicht eingehalten :-P , aber umso länger ich sie mir aufzähle, umso eher werde ich sie dann hoffentlich beim Kauf berücksichtigen. Beziehungsweise hab ich meine Freunde/Berater bereits darauf eingestellt, mir ordentlich die Meinung zu sagen, denn ich weiß eigentlich jetzt schon, dass es eine Bauchentscheidung wird…na ich halt euch auf dem Laufenden.

Comments

One Response to “Bauch oder Kopf – Pferdekauf”

  1. [...] Naja, und live hat sie mich noch mehr begeistert, offensichtlich. Trotz allem war’s dann doch eher eine Bauch- als eine Vernunftsentscheidung Virginias [...]

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