Einem geschenkten Gaul… – Ein Pferd geschenkt bekommen
Posted By Keks on 26. Oktober 2009
Wenn ich früher gehört habe, dass jemand ein Pferd geschenkt bekommen hat, war ich ausnahmslos neidisch, denn was kann es für einen Reiter besseres geben?!
Mittlerweile bin ich da anderer Meinung: Nicht jedes Pferd passt zu jedem Reiter. Ein ruhige, unsichere Person wird mit einem nervösen, hektischen Pferd wahrscheinlich nicht glücklich (um nur eine Konstellation zu nennen).
Und der Anschaffungspreis ist nicht der größte finanzielle Faktor für einen Pferdebesitzer: Boxenmiete, Hufschmied, Tierarzt, Reitzubehör, Versicherung… Das sind zudem noch alles Punkte, die monatlich oder zumindest wiederkehrend zu bezahlen sind.
Man sollte sich sehr genau überlegen, ob man die Verantwortung für ein Pferd (über einen langen Zeitraum - am besten bis zum Schluss) übernehmen kann und möchte. Denn nur weil man das Tier geschenkt bekommt, dürfen alle wichtigen Gedanken, die man sich vor der Anschaffung eines Pferdes machen sollte, nicht einfach wegfallen!
Ich schreibe das, weil mir auch schon ein Pferd angeboten wurde und ich mit der Entscheidung zu kämpfen hatte. Außerdem habe ich schon mehrere Pferde gehen sehen, die doch nicht gepasst haben (was in einigen Fällen voraus zu ahnen war), die krank oder zu teuer wurden. Den Stress von Umzug und Besitzerwechsel hätte man den Tieren ersparen können, wenn man ehrlich zu sich gewesen wäre und/oder sie nicht nur genommen hätte, weil es sie “kostenlos” gab…
Hallo,
Deinen Artikel über den geschenkten Gaul finde ich ganz super, mutig und nötig. Leider gleuben viele Leute immer noch, dass man mit der Haltung eines Pferdes schon “irgendwie” klarkommt, wenn man erstmal eins hat. Dass selten junge, gesunde und reitbare Pferde verschenkt werden, und dass selbst die im Monat nicht unter 200 Euro Unterhalt kosten – in der einfachsten Weidehütte und ohne Kraftfutter! – wenn man die dringend erforderlichen Kosten für Impfungen, Hufschmied und Versicherungen auf´s Jahr umrechnet, wird gern vergessen.
Wir haben jetzt schon zum wiederholten Mal ein altes Pferd als Reitpferd für unsere Tochter bei uns aufgenommen, aber erst nach sorgfältigem Ausprobieren unter dem Sattel und tierärztlicher Untersuchung. Warum? Alte Pferde sind im Unterhalt mindestens doppelt so teuer, wie junge, selbst wenn sie gesund sind. Unsere Tochter sollte ein liebes Tier bekommen, mit dem sie noch ruhige Ausritte im Gelände machen kann, keinen verstörten Durchgänger. Das Pferd sollte auch von ihr selber zu putzen, zu satteln und sonstwie zu händeln sein. Das war für uns die Voraussetzung dafür, dass wir die Mehrkosten für ein altes Pferd auf uns nehmen. Dafür, dass uns die Vorbesitzer ihren Senion anvertrauten, konnten wir einen Offenstallplatz mit täglichem Weidegang in einer netten Herde versprechen, hier bei uns am Haus, regelmäßige Zahnkontrollen und -pflege, altersgerechtes Kraftfutter in ausreichender Menge und eine regelmäßige tierärztliche Kontrolle. Ein krankes oder nicht reitbares Tier hätten wir nicht aufgenommen, wohl aber blieben/bleiben die Senioren bis zu ihrem unvermeidbaren Ende bei uns.
Ein geschenktes Pferd ist in der Regel viel teurer, als ein gekauftes bis beispielsweise 2000 Euro. Das darf man nicht vergessen. Und Pferde, die verschenkt werden, haben in der Regel mindestens ein Problem, sonst würden sie nicht verschenkt, sondern verkauft. Meistens sind sie zu alt oder zu krank. um geritten zu werden, und der Vorbesitzer kann es sich nicht leisten oder hat kein Interesse daran, dem Tier selber das zukommen zu lassen, was es braucht. Manchmal kann man mit dem Pferd noch schmusen und spazierengehen. Aber das kann man mit einem gesunden Tier auch. Manchmal kann man aus einer alten und/oder kranken Stute noch ein Fohlen ziehen. Aber wenn diese Stute eine gute Abstammung hat, wird sie nicht verschenkt, weil das auch der Vorbesitzer weiß. Manchmal ist es für ein altes oder/und krankes Pferd auch einfach eine Erlösung, wenn es sterben darf, und nicht in eine Bretterbude auf einer Schlammkoppel gestellt wird, weil die neuen Besitzer sich keinen anständigen Pensionsplatz leisten können.
Uff, das wollte ich mal dazu sagen. Ich hoffe, ich habe jetzt niemandes Gefühle verletzt. Und ich entschuldige mich ganz, ganz doll bei allen selbstlosen Pferdeleuten, die ein aus welchen Gründen auch immer verschenktes Pferd aufgenommen, es eventuell gesund gepflegt, seine verwundete Seele geheilt und ihm ein tolles neues Zuhause bis zu seinem Lebensende gegeben haben. Die meinte ich mit meinen vorangegangenen Worten natürlich nicht.
Liebe Grüße an alle!
Heike