Giftzwerge – neue Pferde in eine Herde integrieren

Posted By Annie on 20. August 2009

Grade bei Pensionsställen ist es eher nicht üblich, dass die Herden ewig in der gleichen Zusammenstellung bestehen. Es kommen immer wieder neue Einsteller oder alte Pensioner ziehen mit ihren Pferden um. Deshalb ist es auf unseren Koppeln (wir haben insgesamt vier verschiedene Herden) nichts neues, dass ein fremdes Pferd in eine Herde integriert werden muss. In der Fachliteratur wird ja empfohlen, dass man das neue Pferd auf ein benachbarten Paddock sperrt und so die zukünftige Herde und der Neuankömmling sich schonmal sehen und beschnuppern können. Mal abgesehen davon, dass es nicht immer ein benachbarten Paddock gibt oder man nicht die Möglichkeit hat ein Teil der Koppel abzusperren, halte ich es auch nicht immer für sinnvoll…

… Die Pferde haben meiner Erfahrung nach doppelt Stress: Wenn sie auf getrennten Paddocks stehen, wollen sie zu den anderen Pferden hin, können es aber nicht! Oft kommt es dabei auch zu Verletzungen, weil das neue Pferd durch über den Zaun will oder ein ranghohes Tier aus der Herde mit typischen Imponier- und Drohgehabe den Zaun mit den (empfindlichen) Beinen bearbeitet.  Irgendwann kehrt dann natürlich Ruhe am Koppelzaun ein und nachdem sich die Pferde so sporadisch von Weitem “kennengelernt” haben, lässt man sie dann zusammen: Wer dieses Vorgehen schonmal genutzt hat, weiß genau, dass die ebend noch friedlich nebeneinander am Zaun grasenden Tiere plötzlich ganz schön ausrasten können… Dann haben dann alle scheinbar vergessen, dass sie sich ja bereits “kennen”. Da wird dann gebissen, getreten, gejagt, gedroht und gequietscht (natürlich besonders bei den Stuten ;-) ) was das Zeug hält. Das ist nunmal so und das kann man auch nicht verhindern. Pferde brauchen in eine Herde eine Rangordnung. Von Anfang an! Und darum geht es bei diesem Gehabe: Dem Neuling soll klar gemacht werden, dass er gar nicht aufmucken braucht (natürlich gibt es Ausnahmen: wir hatten bei uns ein Pferd, dass sich wirklich fürsorglich um die Neuen gekümmert hat).

Attacke - Rangordnung in der Herde klärenWer diese typischen Rangkämpfe noch nie gesehen hat, ist meistens ziemlich erschrocken über die Brutalität und Energie, die die sonst so friedlichen Tiere an den Tag legen. Aber das geht vorbei… Meistens sind nur die ersten Stunden so turbulent und nach drei Tagen hat sich der Neue auch mit dem letzten auf den Rang in der Herde geeinigt (Ausnahme ist hier mal wieder mein kleiner Giftzwerg, der hat der schicken neuen Ponystute noch über eine Woche das Leben schwer gemacht… aber dann war auch Ruhe und mittlerweile stehen sie sehr friedlich zusammen in der Offenstallbox – war vielleicht ein Ego-problem ;-) ). Wenn die Herde sehr groß ist oder ein besonders aggressiver Stänkerer dabei ist, kann man überlegen, erstmal nicht die komplette Herde auf das neue Pferd loszulassen, aber das haben wir tatsächlich erst einmal so gemacht, weil wir unseren Pappenheimer kannten.

Was ich damit sagen will: Sperrt die Pferde zu Beginn nicht in Einzelhaft und gebt ihnen Zeit (und vor allen Dingen Platz!!!!!) beim Kennenlernen. Wenn die Tiere genug Platz haben, sich aus dem Weg zu gehen, klären die das nach und nach sowieso. Nur der Pferdebesitzer muss sich in der Zeit mal wieder bewusst machen, dass es sich um Tiere handelt und “der Liebling” keinen seelischen Schaden davon trägt, weil er am Anfang nicht gemocht wird… Bis auf ein paar Schrammen ist eigentlich noch nichts dramatisches bei uns passiert.

Kommentare

Ein Kommentar zu “Giftzwerge – neue Pferde in eine Herde integrieren”

  1. [...] Herde haben seit wenigen Tagen ein neues Pferd dazu bekommen. Naja, und wie das nunmal bei der Integration von neuen Pferden ist, geht es ziemlich rund auf der Koppel (ich würde sogar sagen, etwas heftiger als sonst). Der [...]

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