Posted By Keks on 26. April 2013
Langsam hat sich Virgi wieder eingekriegt und ist nicht mehr wegen jeder Kleinigkeit schreckhaft. Tatsächlich glaube ich, dass es ein Mix aus meiner kurzzeitigen Inkonsequenz und dem Frühling war, da sich ihre Schreckhaftigkeit jetzt wieder sehr schnell gelegt hat.
Ich halte allgemein sehr viel von Desensibilisierung von Pferden. Bei meinen Reitbeteiligungen habe ich immer extra Bodenarbeitseinheiten eingebaut und sie mit Plastikplanen, Bällen und Co konfrontiert. Bei Virgi bin ich das von Anfang an etwas anders angegangen.
Seit ich sie gekauft habe, versuche ich das Desensibilisieren in unseren Alltag mit einzubauen. Denn ich möchte, dass sie nicht nur auf konstruierte Situationen auf dem heimischen Platz gelassen bleibt, sondern auch im Gelände und in unbekannten Situationen. Das hat uns zum Beispiel bei unserem ersten Wanderritt sehr geholfen. Meistens sind es auch nur kurze Momente oder nur wenige Minuten, in denen sie sich mit den Neuen/Gruseligen Dingen auseinandersetzt, und trotzdem oder grade deswegen scheinen sie einen großen Einfluss auf ihre Sicherheit und Charakterfestigkeit zu haben. Ich bin ein Verfechter davon, „Gespenstern“ nicht aus dem Weg zu gehen. Die Pferde sollten sich meiner Meinung nach immer mit den ihnen angsteinflößenden Sachen auseinander setzen dürfen/müssen, damit sie gar nicht erst lernen, immer den großen Bogen drumherum zu nehmen. Wenn Ausweichen nämlich mal nicht möglich ist, kann das brenzlig werden und Coolness-fördernd ist es ja auch nicht.
Ich liste mal ein paar Beispiele auf, was ich so unter Desensibilisierung verstehe. Vielleicht inspirieren sie den einen oder anderen ja, selbst sensibel auf kleine Momente im Alltag zu sein, in denen man sein Pferd „abhärten“ kann. Am wichtigsten war immer, dass ich dabei völlig gelassen blieb (und auch wenn das eigentlich nicht der Fall war, immer tief durchatmen, damit das Pferd sowenig wie möglich von der eigenen Aufregung mitbekommt):
- Schneemann: Ein Schneemann auf dem Feld war unglaublich angsteinflößend, also hab ich Virgi an der Hand draufzutraben lassen (zwar nicht ganz bis ran, aber wenigstens mit Schwung) und sie durfte die Leckerlies vom Schneemannkopf runterfressen
- Silageballen: Wie bei Schneemann, gab es Leckerlies auf dem Silageballen und wir sind mit viel Belohnung im Slalom um einige rum
- Plastiktüte: Wir liefen eine Straße entlang und uns wirbelte eine große Plastiktüten im Wind entgegen. Virginia war relativ aufgeregt deswegen. Beim Laufen bin ich dann einfach auf die Plastiktüte raufgetreten, hab sie aufgehoben und sie plusternderweise mitgenommen. Anfangs war das Rascheln noch merkwürdig für Virgi, aber da die Tüte nun Teil unserer Crew war, war das auch schnell vergessen und langweilig
- Gymnastikball: Der Ball war eigentlich für Pferdefußball gedacht, wurde dann aber einfach auf die Koppel geschmissen und die Pferde haben mit gespielt bzw. ihn dann irgendwann ignoriert
- Spähnplane: Wenn ich den Unterstand in unserem Offenstall im Winter mit Spähnen einstreue, rufe ich Virginia danach noch mal rein und breite die Plane über ihr aus bzw. lasse sie drüber laufen. Das wird immer mit Leckerlies belohnt, so dass Virgi Planen mittlerweile sehr appetitanregend findet
- Besen: ich fege sowohl im Offenstall als auch auf dem Putzplatz mit möglichst viel Selbstverständnis unter und um mein Pferd herum
- Teppich: Leider werfen viele Leute in unserer Gegend ihren Müll in den Wald . Trotz anfangs großer Skepsis muss mein Pferd über sowas drüber laufen. Mittlerweile ist ihr ziemlich egal, ob sie den Fetzen vorher schonmal gesehen hat oder nicht, sie trabt locker drüberweg (natürlich schaue ich, dass nichts drunterliegen kann oder Löcher darunter sind – was geht, weil ich die Wege kenne oder eben im Zweifel im Schritt rangehe)
- Schwäne: Ganz gefährliche Biester
und Virgi wollte immer die Flucht antreten. Ich hab sie dann „gezwungen“ dort zu grasen. Der garstige Schwan hat auch gefaucht wie verrückt und wollte uns von seinem Ufer vertreiben, aber praktischweise hat Virgi aus Irritation angefangen zu prusten und der Schwan hat das wohl als Fauchen interpretiert und sich verzogen. War ein schönes Learning für’s Pferd, weil sie trotz Angst das Monster in die Flucht schlagen konnte (da war mir aber auch etwas mulmig, zur Not hätte ich den Schwan mit dem Führstrick vertrieben)
- Wind/Sturm: Kann ja sehr gruselig für Pferde sein. Einige unserer Ausritte waren bei ordentlich Sturm. Unter Bäumen durchzureiten, habe ich vermieden, also haben wir die Runde um die Felder gedreht. Das war super, weil sich Virginia wirklich irgendwann dran gewöhnt hat und mittlerweile kann ich mit ihr bei Wind und Wetter raus ohne dass sie sich aufregt (das ist sehr angenehm, weil es bei meinen Reitbeteiligungen oft ein Drama war, wenn mal ein Lüftchen wehte… sowas wollte ich bei meiner nicht)
Als nächstes muss ich sie noch für zuschlagende Autotüren desensibilisieren. Einige von unseren Leuten auf dem Hof haben ein Auto, die müssen dann mal herhalten, damit sie mein Pferd auch da nicht mehr zuckt…
Kategorie: allgemein, geführt |
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